Das Glück auf unserer Seite

… und was der Vollmond vielleicht damit zu hatte

Unsere Kleine ist nun schon sieben Monate alt, und unser Großer ist stolzer Bruder. Auch die Kleine war ein Wunschkind. Aber ich habe wegen meiner Gehbehinderung Grenzen erfahren und stoße immer wieder auf neue. Meine zweite Schwangerschaft war mit mehr Anstrengungen und körperlichen Einschränkungen und Beschwerden verbunden als die erste. Vieles habe ich bereits wieder verdrängt, aber zu wissen, wie der Körper schlapp macht, ist schon beängstigend. Zumal der Große ja weiter betreut werden musste, und Ruhepausen nicht wirklich möglich waren wie bei der ersten Schwangerschaft. Dank unserer Haushaltshilfe für die letzten Wochen (die ich nach sehr langem Zögern doch noch bei der Krankenkasse beantragt hatte), wurde mir einiges abgenommen, weil an Laufen, Gehen oder Bewegen gegen Ende der Schwangerschaft nicht mehr zu denken war.

Hautnah dabei

Unser erstes Kind habe ich im Geburtshaus zur Welt gebracht. Bei meiner Tochter entschieden wir uns aber für eine Hausgeburt. Unsere Hebamme kam zu den Vorsorgeterminen nach Hause, somit wurden mir einige Wege abgenommen und unser Sohnemann war „hautnah“ dabei. Um aber ganz sicher und beruhigt zu sein, habe ich die Arzttermine im Wechsel mit unserer Hebamme wahrgenommen. Trotz meiner Einschränkungen ging es der Kleinen gut im Bauch. Auch sie ließ sich Zeit, drei Tage über den Stichtag. Dabei war ich mir so sicher, dass es schon früher losgehen würde. Wahrscheinlich waren das mal wieder nur Wunschgedanken, weil nichts mehr ging und ich mich kaum noch rühren konnte. Nach den ersten Anzeichen um 1:20 Uhr, ging ich erst einmal in die Badewanne – keine Ahnung wie ich dahin gekommen bin. Dort regte sich nichts, ich konnte entspannen und mir sogar noch die Beine rasieren. Nach dem Abtrocknen wurde es ernst.

Im Türrahmen stehend, drückte Töchterchen gegen „falsche Nerven“ und ich musste meinen schlafenden Mann aus dem Schlafzimmer rufen: Ich konnte mich kein Stückchen mehr bewegen. Irgendwie trug mich mein Mann zu einem Sessel, wo ich verharrte und die Wehen kommen und gehen ließ. Der Vollmond schien in unser Wohnzimmer. So heftig hatte ich es nicht erwartet. Um vier Uhr früh traf unsere Hebamme ein. Sie hatte nicht viel zu tun, außer mich auf den Gebärhocker zu hieven, ihre Sachen auszupacken und unsere Kleine im letzten Augenblick aufzufangen. Da war es gerade mal 4:17 Uhr! Heftig aber schnell. Und der Große kam eine Stunde später hinzu. Nicht zu früh und auch nicht zu spät, so konnte er seine Schwester, so neu wie sie war, begrüßen. Heute hat er ein sehr enges Verhältnis zu „seiner Süßen“ – vielleicht weil er von Anfang an so dicht dabei war. Zum Glück waren wir gut vorbereitet. So schnell wie alles ging, hätte ich es nämlich nicht mehr ins Geburtshaus oder in eine Klinik geschafft.

Erohlung im Wochenbett? Fehlanzeige!

Der Kleinen ging es bestens, nur ich hatte zu viel von mir erwartet. Ich konnte mich nach der Geburt immer noch nicht besser bewegen. Ich dachte, wenn der Druck auf den Nerv verschwunden ist, so würde ich wieder besser zu Fuß sein. Aber die Einschränkungen blieben zunächst. Zum Glück hatte mein Mann drei Wochen Urlaub und konnte mir alles reichen. Und ganz langsam ging es etwas bergauf, so dass ich bald die beiden Kinder wieder allein versorgen konnte. Alles langsam und vorausschauend. Unser Großer ist auch von der langsamen Partie und so klappte es irgendwie.

Da die Haushaltshilfe nach der Entbindung nicht mehr genehmigt wurde, konnte ich mich nicht wirklich gut erholen. Eine Belastungsprobe auch für meinen Mann, der nach seiner Arbeit zu Hause noch mit anpacken musste.
Umso gemütlicher und träger unser erster war, umso schneller und flinker ist nun die zweite. Ich werde mich diesmal an die Hundeleine (Laufleine) gewöhnen müssen, so wie es ausschaut. Anderes Kind, neue Herausforderungen. Ich hoffe nur, dass mein Körper noch lange genug durchhält.

Unterstützung durch die Müttergruppe

Trotz der Erschwernisse schaue ich jeder Schwangeren neidisch hinterher. Nun weiß ich, dass ich das Glück nicht mehr herausfordern werde. Zwei gesunde Kinder sind mehr als ich erhoffen konnte.
Hilfreich sind dabei die Krankengymnastiktermine und die Treffen der Müttergruppe. Beides ist wegbegleitend und unterstützend. Ohne die Tipps, Tricks und Hinweise wäre mein Alltag um Einiges schwerer. So habe ich mit der Unterstützung durch die Müttergruppe meine Sonder-Parkgenehmigung beantragt — und auch genehmigt bekommen! So kann ich etwas leichter am Alltagsleben teilnehmen. Auch die Tipps zu Themen wie Haushaltshilfe, Vorsorgeuntersuchungen, Rückbildung usw. haben mir sehr weitergeholfen.

Viele Hilfsmöglichkeiten wären mir so vorher überhaupt nicht in den Sinn gekommen. Und den Schritt zu machen und „Hilfe zu holen“ wurde mir auch erleichtert. Wer gibt schon gerne zu, dass man Unterstützung benötigt?

Wir haben bis dato genug Glück gehabt, hoffen allerdings auch, dass es uns so schnell nicht verlässt. Noch sind unsere beiden Kinder nicht groß genug. Sie brauchen ihre Mama.

Natascha arbeitet Teilzeit, sie lebt mit ihrem Mann und den zwei Kindern im Osten Hamburgs