"Es gibt uns - und wir wollen gehört werden!"

Kompetente Mütter – mit Behinderung

Beides schließt sich – entgegen mancher Vorurteile – nicht aus. Und genau darum geht es uns bei M courage: Um ein authentisches und realistisches Mutterbild, mitten drin im Leben, mit all seinen Facetten. Doch das herkömmliche Bild einer Mutter sieht anders aus – immer noch.


Erwartungen und Vorbehalte

Von Müttern wird gemeinhin erwartet, dass sie sich um andere kümmern. Brauchen sie selbst Hilfe, wird die Qualifikation als Mutter automatisch in Zweifel gezogen. Dabei hängt die Qualität einer Mutter nicht ab von Rolli, Prothese oder Blindenstock. Das, worauf es Leben wirklich ankommt, können wir unseren Kindern durchaus vermitteln – ja, sogar vorleben. Dennoch: Viele Mütter mit Behinderung erfahren verschiedene Formen von Ausgrenzung und müssen immer wieder gegen Vorverurteilungen ankämpfen – auch im engsten Umfeld. Konkrete Unterstützung gibt es dagegen wenig. Haushaltshilfe wird nur bei akuten Krankheitsfällen, nicht aber bei einer chronischen Erkrankung oder aufgrund einer Behinderung bewilligt. Den Gang zum Amt scheuen viele Mütter, aus Angst, das Kind könnte in einer Pflegefamilie untergebracht werden. Leider ist diese Angst nicht ganz unbegründet.

Dabei sein: Wir möchten unsere Kinder begleiten können

Einige Mütter ziehen sich zurück und nehmen mit ihren Kindern kaum noch am Leben draußen teil. Dafür sorgen leider auch die Barrieren, auf die Mütter mit Behinderung in ihrem Umfeld stoßen: Treppen vor Kindergarten oder Schule, Arztpraxen ohne Fahrstuhl, fehlende Behindertenparkplätze, Mangel an barrierefreien Wohnungen – um nur die sichtbaren Hindernisse anzusprechen.
Unser Anliegen ist es, dass diese Barrieren Stück für Stück aus unserem Alltag – vor allem aber aus den Köpfen – verschwinden. Wir möchten Wege aufzeigen, wie Mütter mit Handicap trotzdem dabei sein können und tauschen untereinander wertvolle Tipps aus, die uns den Alltag erleichtern können.

„Wie schaffen Sie das bloß?!“

Diese Frage hören Mütter mit Behinderung öfter. Und in der Hektik des Alltags fragen wir uns ja selbst manchmal: Kann ich alles unter einen Hut bringen? Kinder, Haushalt, Job, die Wege, die täglich zu bewältigen sind? Wie alle Mütter, so wollen auch Mütter mit Behinderung nur das Beste für ihr Kind – sie reflektieren ihre Situation und achten darauf, dass die Behinderung nicht ihr Kind behindert. Das erfordert gute Organisation im Alltag und Unterstützung durch den Partner oder die Familie. Aber auch andere Fragen setzen Mütter mit Handicap unter Druck:

Schämt sich mein Kind für seine behinderte Mutter? Wie empfindet mein Kind die Behinderung im Alltag? Kann es sich frei entwickeln? Kann mein Kind tatsächlich Kind sein, oder übernimmt es vielleicht zu viel Verantwortung?

Manchmal brauchen wir dann fachlichen Rat und laden Experten zu einem Müttertreffen ein, wie eine Psychotherapeutin zum Beispiel:

Kinder werden oft unterschätzt in ihren Strategien, mit schwierigen Lebenssituationen umzugehen. Die betroffenen Eltern haben oft eine hohe Sozialkompetenz, sie kümmern sich bewusst um ihre Kinder, schenken ihnen Beachtung und lehren sie Respekt vor dem Leben. Kranke Eltern sind also keine schlechten Eltern. Eine behinderte Mutter kann eine bessere Mutter sein als eine sportliche, aktive Mutter, die von Termin zu Termin eilt und bei all den Aktivitäten keine Muße findet, sich ihrem Kind wirklich zu widmen. 
Martina Pott, Psychotherapeutin aus Hamburg. Sie arbeitet mit Kindern chronisch kranker und behinderter Eltern.